Berufsqualifikationen

 

ES-QIN: Ein europäischer Referenzrahmen für qualifiziertes Personal

Seit 2015 ist der CESNI-Ausschuss für die Annahme von Standards für die Berufsbefähigungen in der Binnenschifffahrt zuständig. Die Standards legen die Einzelheiten eines neuen Ansatzes für kompetenzbasierte Befähigungen für Mitglieder der Decksmannschaft fest.

Die Hauptziele der von CESNI angenommenen Standards im Bereich der beruflichen Befähigungen bestehen darin:
• die Mobilität der Arbeitskräfte zu fördern, indem Standards festgelegt werden, die von der Europäischen Union (EU), der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) und anderen Rechtsetzungsorganen genutzt werden können;
• die Attraktivität des Schifffahrtsgewerbes zu erhöhen;
• eine sichere Schifffahrt durch anspruchsvolle Anforderungen an Fachwissen, Fähigkeiten und Tauglichkeit zu gewährleisten;
• Unternehmen und Besatzungen in die Lage zu versetzen, sich an technische und logistische Innovationen anzupassen.

ES-QIN ist in vier Sprachen verfügbar (Französisch, Deutsch, Niederländisch und Englisch).

Einheitliche Anforderungen an die Berufsbefähigungen ebnen den Weg für eine erhöhte Arbeitsmobilität in Europa. Sie wurden im Rahmen des PLATINA-Projektes für Schiffsführer und Matrosen entwickelt und intensiv mit den Sozialpartnern und Ausbildungseinrichtungen diskutiert.

Genehmigte Ausbildungsprogramme und Prüfungen mit identischem Inhalt werden auf den gesamten Wasserstraßen der Europäischen Union und auf dem Rhein anerkannt. Bis zur vollständigen Umsetzung des neuen europäischen Rahmens für moderne Befähigungen im Januar 2022 werden viele Arbeiten von internationalen und nationalen Regulierungsbehörden sowie von Ausbildungseinrichtungen, die ihre Lehrpläne und Ausbildungsprogramme anpassen müssen durchgeführt werden müssen. Prüfungskommissionen müssen ihre Verfahren ändern und sich auf die obligatorischen praktischen Prüfungen vorbereiten.

CESNI Standards sind per se nicht verbindlich. Die ZKR, die Europäische Union und andere internationale Organisationen oder Drittländer können die Standards zur Anwendung bringen, indem sie diese in ihren jeweiligen Rechtsrahmen aufnehmen.

Im Jahr 2020 werden sowohl die EU als auch die ZKR ES-QIN-Standards in ihren Rechtsrahmen übernommen haben. Die Mitgliedstaaten müssen diese Standards auch in nationales Recht umsetzen, damit sie im Januar 2022 auf allen europäischen Wasserstraßen eingeführt werden können.

Überblick über den Inhalt von ES-QIN

Die ES-QIN Ausgabe 2019 enthält:

1) Eine erste Reihe von Standards, die sogenannten „Prager Standards“ wurden im Jahr 2018 (siehe Presseveröffentlichung) veröffentlicht. Sie sind in die vier folgenden Hauptteile unterteilt:

    • Teil I: Befähigungsstandards
  • Betriebs- und Führungsebene
  • Befahren von Binnenwasserstraßen mit maritimem Charakter und Fahren unter Radar
  • Sachkundige für die Fahrgastschifffahrt, Sachkundige für Flüssigerdgas (LNG)
    • Teil II: Standards für praktische Prüfungen
  • Führen von Schiffen unter Radar
  • Sachkundiger für die Fahrgastschifffahrt
  • Sachkundiger für Flüssigerdgas
  • Schiffsführer
  • Zusatzmodul zur Aufsicht (Schiffsführer)
    • Teil III: Standards für die Zulassung von Simulatoren
  • Technische und funktionale Anforderungen
  • Behördliches Zulassungsverfahren
    • Teil IV: Standards für medizinische Tauglichkeit (allgemeine Tauglichkeit, Seh- und Hörvermögen)

2) Eine zweite Reihe von fünf Standards, die im Jahr 2019 angenommen wurden, sind enthalten in:

    • Teil V: Standards für besatzungsbezogene Dokumente
  • Befähigungszeugnisse (Schiffsführer, Sachkundiger für Flüssigerdgas, Sachkundiger für die Fahrgastschifffahrt)
  • Mit Befähigungszeugnissen zusammengeführtes Schifferdienstbuch
  • Zeugnis für die praktische Simulatorprüfung
  • Schifferdienstbuch
  • Bordbuch

Standards im Detail

Standards im Bereich der Berufsbefähigungen

Bei den Befähigungen für die Mitglieder von Decksmannschaften auf der Betriebsebene (Matrosen, Bootsmänner und Steuermänner) wurden erstmals theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten (Kompetenzen) für alle Wasserstraßen der Europäischen Union und für den Rhein einheitlich definiert. Die Standards für Berufsbefähigungen legen auch im Einzelnen die Anforderungen für die Erteilung von besonderen Berechtigungen fest:
• Befahren von Binnenwasserstraßen mit maritimem Charakter;
• Führen von Schiffen unter Radar;
• Führen von Schiffen, die Flüssigerdgas als Brennstoff verwenden.

Dasselbe gilt für Sachkundige für die Fahrgastschifffahrt, die qualifiziert sind, in Notsituationen an Bord von Fahrgastschiffen Maßnahmen zu ergreifen, und für Sachkundige für LNG, die bestimmte Kompetenzen nachweisen müssen, wenn sie am Bunkervorgang eines Fahrzeugs, das LNG als Brennstoff verwendet, beteiligt sind.

Standards für praktische Prüfungen

Es wurden angemessene Mindestanforderungen für zukünftige obligatorische praktische Prüfungen für Schiffsführer, für die Befähigung zum Führen eines Schiffes unter Radar und für Sachkundige für die Fahrgastschifffahrt sowie für Flüssigerdgas definiert. Bei der praktischen Prüfung für Schiffsführer wurde ein Zusatzmodul für die praktische Prüfung der Fähigkeiten auf der Betriebsebene für Seiteneinsteiger vereinbart. Dieses Modul richtet sich an Bewerber, die kein genehmigtes Ausbildungsprogramm auf der Betriebsebene durchlaufen haben oder die noch in keiner Prüfung die für die Betriebsebene erforderlichen Kompetenzen nachgewiesen haben.

Standards für die Zulassung von Simulatoren

Es wurden einheitliche technische und funktionale Anforderungen an Simulatoren, die für die Prüfung von Schiffsführern und für die Berechtigung zum Führen eines Schiffes unter Radar verwendet werden, definiert. Diese Anforderungen unterstützen diese neue Form der international anerkannten praktischen Prüfungen.

Standards für medizinische Tauglichkeit

Zum ersten Mal wurden detaillierte und kohärente medizinische Tauglichkeitskriterien eingeführt. Diese Kriterien enthalten zusätzlich zu den bereits bestehenden Bestimmungen für das Seh- und Hörvermögen auch Richtlinien, wie eine dauerhafte oder vorübergehende Untauglichkeit definiert werden kann. Diese Kriterien basieren auf der international anerkannten Liste der Klassifikation von Krankheiten in der Binnenschifffahrt, die für jeden Einzelfall geprüft werden müssen.

Standards für besatzungsbezogene Dokumente

Für Schiffsführer und Sachkundige einigte sich CESNI sowohl auf ein elektronisches als auch auf ein physisches Format. Dieses elektronische Format ist beispiellos in der Binnenschifffahrt. Es vereinfacht die Verfahren für den Schiffsführer und für die Verwaltung.

Das elektronische Format verfügt über ein in ein PDF/A-Dokument eingebettetes E-Siegel und einen 2D-Barcode, der als Verbindung zur European Crew Databank ECDB dient. Sowohl das elektronische als auch das physische Format sind so konzipiert, dass die Schiffsführer nicht mehr mehrere Dokumente benötigen, um ihre Befähigung als Schiffsführer nachzuweisen oder ihre Befähigung zum Befahren von Strecken mit besonderen Risiken oder ihre Befähigung zum Führen von Schiffen unter Radar zu belegen.

Muster eines Befähigungszeugnisses (Schiffsführer)

Für andere Besatzungsmitglieder als Schiffsführer werden die Befähigungszeugnisse z.B. als Matrose oder als Maschinist in einem einzigen Dokument vorgelegt, in dem das Schifferdienstbuch und die Befähigungszeugnisse zusammengefasst werden. Dieses Dokument enthält ebenfalls einen 2D-Barcode, der als Verbindung zur European Crew Databank ECDB dient.

Die Muster der Schifferdienstbücher (eines für Schiffsführer sowie das oben erwähnte kombinierte Muster) enthalten harmonisierte Anweisungen für die ausstellenden Behörden und für die Merkmale des Dokuments. Sie ermöglichen auch die Erfassung der Dienstzeiten an Bord gemäß den ADN-Anforderungen und der Fahrzeiten auf bestimmten Strecken oder in großen Verbänden. Für alle oben genannten Dokumente hat CESNI auch ein harmonisiertes Verfahren festgelegt, das die Identifizierung des Dokuments durch eine Seriennummer erleichtert.

Die Standards für Bordbücher sehen ein harmonisiertes äußeres Erscheinungsbild und einheitliche Anweisungen vor, indem ein einfaches Nummerierungssystem für die Funktionen an Bord eingeführt wird.

Schließlich sehen die Standards für die praktischen Simulatorprüfungen ein standardisiertes Format vor, das bescheinigt, dass eine praktische Prüfung zur Erlangung eines Befähigungszeugnisses als Schiffsführer oder für eine bestimmte Berechtigung zum Führen von Schiffen unter Radar auf einem Simulator bestanden worden sind, falls die Zeugnisse bzw. die Berechtigungen an anderer Stelle erteilt wurden.

Erläuterungen zu den Standards von ES-QIN 2019

Erläuterung der CESNI-Standards für Muster von Besatzungsdokumenten in der Binnenschifffahrt

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Erläuterungen zu den Standards von ES-QIN 2018

Erläuterungen für Standards für das Zeugnis der praktischen Prüfung

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Erläuterungen für Standards für die Zulassung von Simulatoren

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Erläuterungen für Befähigungsstandards

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Erläuterungen für Standards für medizinische Tauglichkeit

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